Einen Umschlag anlegen mit Rückstichheftung oder Klebebindung (mit und ohne Klappe)

Bevor eine Broschüre in Druck gehen kann müssen viele Aspekte berücksichtigt werden. Unter anderem was für eine Bindung das Produkt bekommen soll. Rückstichheftung oder Klebebindung? Beide Methoden haben ihre Vorteile.

Legende:
U1:  Umschlagseite 1 (vorne)
U2:  Umschlagseite 2 (Innenteil vorne)
U3: Umschlagseite 3 (Innenteil hinten)
U4:   Umschlagseite 4 (hinten)
DIN-A4:   International genormtes Papierformat mit den Maßen 210 mm x 297 mm (B x H)
Rückstichheftung: Die einzelnen Druckbögen werden am Bund geheftet z. B. mit Drahtklammern oder Garn
Klebebindung: Die einzelnen Druckbögen werden am Bund aufgeraut und miteinander verklebt

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Umschlag mit Rückstichheftung
Bei einer Rückstichheftung kann man in der Regel den Umschlag im gleichen Endformat wie den Innenteil in Druck geben. Bedeutet, der Innenteil ist – zum Beispiel – A4 (210 x 297 mm) im Endformat, dann ist der Umschlag auch als A4 angelegt. U1-U4 können als vier einzelne DIN-A4 Seiten im Innenteil angelegt werden und zum Schluss alles als eine PDF-Datei exportiert werden. Es ist ebenfalls möglich die Seiten bereits ausgeschossen auf DIN-A3 (297 x 420 mm) anzulegen.

Beispiel Umschlag DIN-A3 (Endformat A4 (420 mm x 297 mm)):

  • Als erster Schritt muss überlegt werden wie groß das offene Format (Breite x Höhe) des Umschlages am Ende sein soll. Hierzu müssen U1 und U4 addiert werden.
  • Die Höhe ergibt sich bereits aus dem Endformat, 297 mm.
  • Die Breite errechnet man aus U1 210 mm + U4 210 mm = 420 mm Breite.
  • Es muss ein neues Dokument mit der Breite 420mm und der Höhe 297 mm angelegt werden.

Es wäre auch möglich zwei DIN-A4 Seiten mit der Option „Druckbögen zusammenhalten“ zu verbinden. Das erspart die nächsten Schritte.

  • Anschließend zieht man sich mit den Hilfslinien die Seiten-Abgrenzungen ins Dokument. Das geht ganz einfach indem der „Nullpunkt“ verschoben wird:
  • Beginne rechts: den Nullpunkt auf die rechte Ecke des Dokuments ziehen.

    Nullpunkt nach Bearbeitung

    Nullpunkt nach Bearbeitung

 

  • Dann eine Hilfslinie ins Dokument ziehen und den Wert auf „-210“ stellen. U1 ist angelegt und hat die Maße 210 mm x 297 mm (B x H, also A4 unseren Ausgangswert)
    Bild: Erste Hilfslinie eingefuegt

    Hilfslinien einfügen in InDesign

     

 

  • Der Rest des Dokuments, ab der Hilfslinie, ist U4 und sollte auch eine Breite von 210 mm haben (ansonsten ist irgendwo ein Fehler passiert)

    Bild: Fertiger erster Druckbogen

    So sieht das fertige Dokument nach Schritt 1-9 aus

 

  • Fehleranalyse: Stimmt das Gesamtformat des Dokuments? War der Nullpunkt exakt auf der rechten Ecke des Dokuments (ohne Beschnitt)? Stimmt der Wert auf den die Hilfslinie gesetzt wurde?
  • Jetzt kann die Seite kopiert werden. Auf dem neuen Dokument befindet sich links U2 und rechts U3.

    Bild: Fertige zweite Seite mit farbigen Flächen

    Fertige zweite Seite mit farbigen Flächen

 

Fazit:

  • schneller in der Druck-Produktion als Klebebindung
  • billiger als Klebebindung
  • einfacher beim anlegen

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Umschlag mit Klebebindung
Bei einem Umschlag mit Klebebindung muss am Anfang mehr beachtet werden. Hier gibt es Umschlagseite 1 und Umschlagseite 4, dazu kommt der Broschürenrücken. Die Rückenstärke hängt von der Papierart und der Seitenzahl ab. Wer beide Werte genau kennt kann den Rücken selbst berechnen**. Es ist aber auch möglich die Druckerei danach zu fragen. Wenn alle Maße bekannt sind müssen U1 + U4 + Rückenstärke addiert werden.

Beispiel Umschlag ohne Klappe (Endformat A4 (210 x 297 mm)):
Es soll eine Broschüre mit einer Klebebindung produziert werden. U1 und U4 sind gleich breit.

  • Als erster Schritt muss überlegt werden wie groß das offene Format (Breite x Höhe) des Umschlages am Ende sein soll. Hierzu müssen U1, U4 und die Rückenbreite addiert werden.
  • Die Höhe ergibt sich bereits aus dem Endformat, 297 mm.
  • Die Breite errechnet man aus U1 210 mm + U4 210 mm + Rückenstärke 6,5 mm = 426,5 mm Breite
  • Es muss ein neues Dokument mit der Breite 426,5 mm und einer Höhe von 297 mm angelegt werden.

In neueren Indesign-Versionen ist es möglich im selben Dokument unterschiedliche Formate anzulegen. Das erspart die nächsten Schritte.

  • Anschließend zieht man sich mit den Hilfslinien die Seiten-Abgrenzungen ins Dokument. Das geht ganz einfach indem der „Nullpunkt“ verschoben wird:
  • Beginne rechts: den Nullpunkt auf die rechte Ecke des Dokuments ziehen. Dann eine Hilfslinie ins Dokument ziehen und den Wert auf „-210“ stellen. U1 ist angelegt
  • Dann den Nullpunkt auf die Hilfslinie von eben ziehen. Eine zweite Hilfslinie in das Dokument ziehen und auf „-6,5“ stellen. Das ergibt den “Broschürenrücken außen”***
  • Der Rest des Dokuments ist U4 (ab der Hilfslinie mit dem Wert -6,5) und sollte auch eine Breite von 210 mm haben (ansonsten ist irgendwo ein Fehler passiert)
  • Rechts ist U1, in der Mitte der Broschürenrücken und links U4
Bild: Fertiger erster Druckbogen mit Broschuerenuecken

Fertiger erster Druckbogen mit Broschuerenuecken

  • Fehleranalyse: Stimmt das Gesamtformat des Dokuments? War der Nullpunkt exakt auf der rechten Ecke des Dokuments (ohne Beschnitt)? Stimmt der Wert auf den die Hilfslinie gesetzt wurde?
  • Jetzt kann die Seite kopiert werden.
  • Auf dem neuen Dokument befindet sich links U2 und rechts U3und  in der Mitte ist der „Broschürenrücken innen“.
Bild: Fertiger zweiter Druckbogen mit Broschuerenruecken und farbigen Flächen

Fertiger zweiter Druckbogen mit Broschuerenruecken und farbigen Flächen

  • Die Seiten können nun gestaltet werden. Der Broschürenrücken innen zwischen U2 und U3 sollte nicht bedruckt werden. Das kann zu Problemen in der Weiterverarbeitung führen. Das Papier wird dort für die Klebebindung aufgeraut und ist eh nicht sichtbar.
  • Bei Publikationen mit Klebebindung sollte immer ein breiterer Abstand zum Bund angelegt werden. In der Regel mindestens 10 mm, damit keine Schrift in den Papier-Knick läuft

Beispiel Umschlag mit Klappe hinten (Endformat A4 (210 x 297 mm)):
Es soll eine Broschüre mit einem Umschlag+Klappe produziert werden. Die Broschüre soll eine Klebebindung haben und aus Kostengründen wird U4 verkürzt*. Endformat der Broschüre ist A4 (210 x 297 mm).

  1. Als erster Schritt muss überlegt werden wie groß das offene Format (Breite x Höhe) des Umschlages am Ende sein muss. Hierzu müssen U1, U4, Rückenbreite und Klappe addiert werden.
  2. U1 ergibt sich aus dem Endformat, 210 mm.
  3. Dazu kommt die Breite von U4, diese muss in diesem Fall mindestens 2 mm verkürzt sein, 210 mm – 2 mm = 208 mm.
  4. Dann die Rückenbreite = 6,5 mm (fiktiv)
  5. Und ebenfalls hinzugerechnet werden muss die Breite der Klappe. Hier gibt es zu beachten, dass 2 mm abgezogen werden müssen und 10 mm wegen der Klebebindung. Beachtet man das nicht, kann die Klappe später nicht geöffnet werden, weil sie im Bund feststeckt. 210 mm -2 mm -10 mm = 198 mm
  6. Die Höhe ergibt sich bereits aus dem Endformat, 297 mm.
  7. Es muss ein neues Dokument mit der Breite 622,5 mm und einer Höhe von 297 mm angelegt werden.

In neueren Indesign-Versionen ist es möglich im selben Dokument unterschiedliche Formate anzulegen. Das erspart die nächsten Schritte.

  1. Anschließend zieht man sich mit den Hilfslinien die Seiten-Abgrenzungen ins Dokument. Das geht ganz einfach indem der „Nullpunkt“ verschoben wird:
  2. Beginne rechts: den Nullpunkt auf die rechte Ecke des Dokuments ziehen. Dann eine Hilfslinie ins Dokument ziehen und den Wert auf „-210“ stellen. U1 ist angelegt
  3. Dann den Nullpunkt auf die Hilfslinie von eben ziehen. Eine zweite Hilfslinie in das Dokument ziehen und auf „-6,5“ stellen. Das ergibt den Rücken
  4. Als nächsten Schritt den Nullpunkt auf die zweite Hilfslinie von eben ziehen. Eine dritte Hilfslinie in das Dokument ziehen und auf „-208“ stellen. U4 ist angelegt
  5. Der Rest des Dokuments ist die Klappe und sollte eine Breite von 198 mm haben.
  6. Von Rechts nach Links: U1 – Rücken – U4 – Klappe außen
Bild: Fertiger erste Druckbogen mit Broschuerenruecken und Klappe

Fertiger erste Druckbogen mit Broschürenrücken und Klappe

  1. Jetzt kann die Seite kopiert werden. Rechts ist „Klappe innen“, in der Mitte U3, daneben der Rücken und links U2.
Bild: Fertiger zweiter Druckbogen mit Broschuerenruecken und Klappe

Fertiger zweiter Druckbogen mit Broschuerenruecken und Klappe

  1. Die einzelnen Seiten können nun gestaltet werden. Der Bereich zwischen U2 und U3 sollte nicht bedruckt werden. Das kann zu Problemen in der Weiterverarbeitung führen. Das Papier wird dort für die Klebebindung aufgeraut und ist eh nicht sichtbar.
  2. Fehleranalyse: Stimmt das Gesamtformat des Dokuments? War der Nullpunkt exakt auf der rechten Ecke des Dokuments (ohne Beschnitt)? Stimmt der Wert auf den die Hilfslinie gesetzt wurde?

Fazit:

  • Dauert länger in der Druck-Produktion als Rückstichheftung
  • Stabiler als Rückstichheftung
  • teurer als Rückstichheftung
  • fehlerlastig
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* Der Innenteil wird erst mit dem Umschlag verklebt und anschließend geschnitten. Wären die Klappe und U4/U3 nicht verkürzt angelegt worden, würde die Klappe beim beschneiden des Blocks abgetrennt werden.

** Buchrücken berechnen (ein Beispiel): Buchrücken = (Seiten/2) x (Grammatur/1000) Beispiel: (100 Seiten/2) x (120 g/1000) = 6 mm.

*** Ab einer Rückenstärke von weniger als 3 mm ist es schwierig den Rücken noch mit Schrift zu bedrucken. Zum einen weil ein sehr kleiner Schriftgrad gewählt werden muss und zum anderen weil es beim verkleben von Umschlag und Inhalt immer zu Schwankungen kommen kann, was bewirken könnte das der Text vom Rücken zum Teil auf U1 oder U4 verrutscht.